SPOTLIGHT: Dilan Sinem Sert über Netzwerke, Vertrauen und die Rolle von Startups im Gesundheitswesen
Im Spotlight: Dr. med. Dilan Sinem Sert
Founderin Sediwork
In der Gesundheitsbranche zählt jede Sekunde – und doch sind viele Klinikprozesse nach wie vor ineffizient, papierbasiert und nicht an die Bedürfnisse des medizinischen Personals angepasst. Dilan kennt diese Herausforderungen aus erster Hand: Während ihrer Zeit als Ärztin stellte sie fest, dass besonders die Personal- und Weiterbildungsplanung in Kliniken oft unstrukturiert ablief und so eine erhebliche Digitalisierungslücke hinterließ. Das führte zu Frustration beim medizinischen Personal und beeinträchtigte letztlich die Qualität der Patientenversorgung. 🚑
Mit dieser Erkenntnis gründete sie SEDIWORK, eine cloudbasierte Workforce-Management-Software, die Klinikprozesse optimiert und den Alltag von Ärzt*innen effizienter gestaltet. Ziel ist es, die ärztliche Rotationsplanung zu revolutionieren und eine moderne, vernetzte Arbeitskultur in Kliniken zu etablieren. SEDIWORK soll die Brücke zwischen Klinikverwaltung und Ärzteschaft schlagen und so einen wichtigen Beitrag zur Zukunft des Gesundheitswesens leisten. 🚀
Im Interview verrät sie uns, welche Bedeutung Netzwerke bei ihrer Startup-Gründung hatten und warum zwischenmenschliche Kommunikation ausschlaggebend ist.
Das Interview mit Dilan...
TechBoost: Erzähle uns kurz von deinem Startup und was dich zur Gründung inspiriert hat.
Dilan: Während meiner klinischen Tätigkeit ist mir aufgefallen, dass Personalprozesse in der Klinik, die auch maßgeblich die ärztliche Weiterbildung betreffen, weder digital noch strukturiert geplant werden und hier eine riesige Digitalisierungslücke besteht. Die Konsequenz ist, dass Weiterbildung auf der Strecke bleibt und zudem Unter- und Überversorgung nebeneinanderher laufen. Das führt nicht nur zur Frustration der Mitarbeiter*innen und ineffizienten Personalprozessen, sondern auch hat auch Einfluss auf die Konsistenz und Sicherstellung der Patientenversorgung.
Daher habe ich SEDIWORK gegründet.
SEDIWORK ist eine cloudbasierte Workforce Management Software für Kliniken. SEDIWORK revolutioniert die ärztliche Rotationsplanung: wir fördern eine vernetzte Zusammenarbeit und unterstützen Kliniken auf dem Weg zu einer modernen Arbeitskultur. Mit unserer ärztlichen und betriebswirtschaftlichen Expertise befähigen wir Kliniken dazu, sich noch stärker auf den einzelnen Menschen auszurichten – mit Ärzten, die ihr volles Potenzial entfalten können.
Ich wollte eine Lösung etablieren, die allen Teilnehmenden zugutekommt und die Kluft zwischen Klinikverwaltung und Ärzteschaft mit uns als Brücke schließen, um gemeinsam das Gesundheitswesen nach vorne zu bringen.
TechBoost: Wie hast du den Start in die Startup-Welt erlebt? Welchen Herausforderungen bist du begegnet?
Dilan: Der Start in die Startup-Welt war für mich eine spannende und lehrreiche Reise. Ich habe schnell gemerkt, wie wichtig es ist, ein starkes Netzwerk aufzubauen und strategische Kontakte zu knüpfen. In Deutschland spielt der Zugang zu den richtigen Partnern und Investoren eine große Rolle, und besonders Business Angels sind dabei eine wertvolle Unterstützung. Sie bringen nicht nur Kapital ein, sondern vor allem Erfahrung, wertvolle Kontakte und strategische Weitsicht, die den Markteintritt erleichtern.
Natürlich gibt es Herausforderungen, gerade wenn es darum geht, sich als neues Unternehmen am Markt zu etablieren. Doch ich sehe das als Teil des Wachstumsprozesses. Entscheidend ist, sich früh mit den richtigen Menschen zu vernetzen, Partnerschaften gezielt einzugehen und gleichzeitig die eigene Unabhängigkeit zu wahren. Ich bin überzeugt, dass wir Innovation noch stärker fördern können, wenn Unternehmen gezielt dazu ermutigt werden, mit Startups zusammenzuarbeiten. So entsteht ein dynamisches Ökosystem, in dem neue Ideen schneller Fuß fassen und nachhaltiges Wachstum möglich wird.
TechBoost: Wie hast du einen Zugang zu Kunden/VCs gefunden?
Dilan: Der Schlüssel zum Zugang zu Kunden und VCs war für mich der direkte Austausch mit Menschen. Ich habe viele Gespräche geführt, mein Netzwerk aktiv ausgebaut und dabei gezielt nach den richtigen Ansprechpartnern gesucht. Den TGFS Sachsen habe ich auf einem Startup-Event kennengelernt – durch diesen persönlichen Kontakt konnte ich schnell Vertrauen aufbauen und sie schließlich als Lead-Investor gewinnen.
Auch bei der Kundengewinnung war meine persönliche Erfahrung entscheidend. Als Ärztin bin ich direkt in die Kliniken gegangen, habe mit den Menschen vor Ort gesprochen und so ein tiefes Verständnis für ihre Bedürfnisse entwickelt. Dieser direkte Dialog hat mir nicht nur wertvolles Feedback gegeben, sondern auch geholfen, SEDIWORK gezielt an den realen Anforderungen der Nutzer auszurichten. Letztendlich haben genau diese authentischen Gespräche Türen geöffnet – sowohl bei Investoren als auch bei Kunden.
TechBoost: Welche Frage sollte man dir stellen? Was willst du zu dem Thema noch sagen?
Dilan: Wie baut man als Startup ein starkes Netzwerk auf, das wirklich hilft?
Ich glaube, ein starkes Netzwerk aufzubauen bedeutet, echte Beziehungen zu pflegen und nicht nur oberflächliche Kontakte zu sammeln. Es geht darum, auf Augenhöhe Mehrwerte zu schaffen, aktiv zuzuhören und langfristig zu denken. Besonders im B2B-Bereich entscheiden oft Vertrauen und Glaubwürdigkeit darüber, ob eine Zusammenarbeit zustande kommt. Mein Tipp: Nicht warten, bis sich Gelegenheiten ergeben, sondern selbst authentisch und aktiv sein – auf Events gehen, Gespräche suchen und bereit sein, Wissen zu teilen.
Danke für das Interview!
Mit diesem letzten SPOTLIGHT endet unsere Reihe über inspirierende Gründerinnen. Jede dieser Frauen hat gezeigt, wie wichtig Mut, Vision und starke Netzwerke für den Erfolg eines Startups sind. Wir sind beeindruckt von ihren Geschichten und freuen uns, dass wir sie teilen durften. 🫶